»Vater-Mutter-Kind« als Norm für alle?

Gisela Notz (Sozialwissenschaftlerin/Historikerin, Berlin) | Mo | 09.04.2018, 20 Uhr | Conti-Foyer

© K. Tönnies

Wir müssen sie alle haben – und haben wollen: die Bilderbuchfamilie. Während die Familie als Institution an Bedeutung verliert, verfestigen sich gleichzeitig familiäre Ideologien. Die konservative Kleinfamilie und die sie propagierende Politik feiern ein Comeback – und das nicht nur von rechts. Sätze wie »Blut ist dicker als Wasser« scheinen ebenso Konsens wie die Annahme, dass jeder Mensch in einer heterosexuellen Beziehung sein, heiraten und Kinder kriegen möchte und muss. Das gesellschaftliche Leitbild ist klar: Die Familie erhält den Staat, steht nach Art. 6, GG unter seinem besonderen Schutz und entlastet ihn nicht zuletzt – wird doch die Pflege- und Betreuungsarbeit von Kindern und alten Menschen immer noch hauptsächlich von Frauen erledigt; unbezahlt, versteht sich. In Kritik des Familismus beleuchtet und hinterfragt die Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz Geschichte, politische Gegenwart und Zukunft dieser Ideologie. Im Gespräch mit Salon-Moderatorin Charlotte Milsch erklärt sie, wie sich das Bild der klassischen Kleinfamilie über die Jahrhunderte verändert hat, diskutiert alternative Lebensentwürfe und zeigt, warum letztere in puncto Steuern oder Sorgerecht noch immer benachteiligt werden. Und das, obwohl sie menschliche Bedürfnisse nach Zuwendung und Geborgenheit ebenso gut oder gar besser erfüllen können als so manche Kleinfamilie.

Kultur:Wissenschaft