Hans Leyendecker ist der bekannteste investigative Journalist in Deutschland, und er zählt damit innerhalb seines Berufsstandes zu einer ganz besonderen Spezies. Wer dazu gehört, begnügt sich niemals mit der einen, der offiziellen Version einer Geschichte. Da darf es gern ein wenig mehr sein. Mit dieser, seiner ganz eigenen Gier nach den Hintergründen hat Leyendecker – allein oder im Team – alles aufgedeckt, was in den letzten Jahrzehnten an deutschen Polit-Affären durch die Presse ging: Flick & Lambsdorff, Kohl & Koch, zuletzt Siemens & VW. Gerade hier spielt deutlich die politische Gegenwart hinein: Von allen Seiten wird jetzt (sogar von der des Linksradikalismus durchaus unverdächtigen Bild) mit plumper »Die da oben machen ja doch, was sie wollen«-Attitüde ein Pappkamerad nach dem anderen zum Winkel-Oligarchen gekürt. So einfach macht es sich Leyendecker nicht; der mit Journalismus-Preisen überhäufte Leitende Redakteur der Süddeutschen Zeitung fragt vielmehr nach dem Umfeld, das Die Große Gier erst hervorruft. Leyendecker fordert – nicht zuletzt im ganz eigenen Interesse der Akteure – für die Wirtschaft eine neue Moral. Wie die aussehen könnte, fragt Jens Meyer.
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