Ein Mann mit Vergangenheit seziert Italiens Gegenwart

Massimo Carlotto (Autor, Cagliari) | Mo | 13.10.2008, 20 Uhr | Conti-Foyer

© M. Wogram

Massimo Carlotto spiegelt in seinen Romanen so lakonisch wie gnadenlos die gegenwärtigen Verhältnisse in Italien, und damit auch die notorisch unrühmliche Rolle der Justiz. Der war Carlotto selbst ausgeliefert: Als Mitglied einer linken Gruppe unschuldig wegen Mordes verurteilt, verbrachte er fünf Jahre auf der Flucht und sechs im Gefängnis. Zwar wurde Carlotto schließlich begnadigt; allerdings weiß er nun sehr genau, wovon er schreibt. Zwei seiner – erfolgreich verfilmten – Romane liegen jetzt in deutscher Sprache vor. Widmete sich Arrivederci, Amore, Ciao noch der Perspektive eines Täters auf seinem skrupellosen Weg ins bürgerliche Leben, ist der Blickwinkel in Die dunkle Unermesslichkeit des Todes sichtlich verschoben und liefert damit eine schriftstellerische Versuchsanordnung über das Böse: Durch ein Gewaltverbrechen seiner Familie und jedes Lebenssinns beraubt, soll Carlottos Held namens Silvio Contin über die Begnadigung des Täters entscheiden. Dabei wird das Opfer zum Täter; es gewinnt neue Kraft, indem es – statt Gnade zu ermöglichen – Rache sucht. Carlotto liest aus seinem tiefdunklen Roman über das Verhältnis von Recht und Vergeltung, Lutz Riedel (Synchronsprecher u. a. von Richard Gere und Michele Placido) spricht den deutschen Text. Die Moderation des – gedolmetschten – Gesprächs mit »dem besten lebenden Krimiautor Italiens« (Il Manifesto) übernimmt der Journalist (taz und Netzzeitung) Manuel Karasek.

Atlas der Literaturen