Ein Völkerkundler bereist das Zentrum des Alten Amerika

Dieter Haller (Ethnologe, Bochum)​ | Mo | 20.10.2008, 20 Uhr | Conti-Foyer
© S. Mast
Vor drei Jahrzehnten ging die TV-Serie »Dallas« an den Start, die texanische Familienplaga um Macht, Land, Öl und Vieh. Kurz darauf wurde ein mediokrer Cowboy-Darsteller neuer US-Präsident, und Europa rieb sich die Augen: der Leitstern USA, Inbegriff der attraktiven, westlichen Kultur, offenbarte auf seiner Nachtseite eine Spießigkeit, Großspurigkeit und Provinzialität von grandioser Entsetzlichkeit. J. R. Ewing, das kalt-lächelnde Ekelpaket von South-fork, erschien wie der Prototyp der Reaganomics und Texas avancierte zum symbolischen Zentrum eines neo-konservativ gewendeten Amerika. Dem pop-kulturell geprägten, modernen Europäer wurde dieses texanisierte Amerika so sonderbar fremd, dass man es neu entdecken musste. So auch dem Ethnologen Dieter Haller. Zwei Jahre lang hat er sich im Texas von Bush jr. aufgehalten und die Stätten der Alltagskultur und die mythologischen Orte der Texaner besucht. Seine Notizen aus einem unbekannten Land bringen uns eine Population näher, die auf knorrig unverwüstliche Weise tatsächlich eine originäre Spielart westlicher Kultur verkörpert. Eckhard Stasch vertraut sich Fremdenführer Haller an und besucht Texas, solange es noch regiert.

Kulturphänomene